Nationaler Forschungsschwerpunkt sesam
Der 2005 gestartete und an der Universität Basel angesiedelte Nationale Forschungsschwerpunkt sesam (Swiss Etiological Study of Adjustment and Mental Health) ist ein multizentrisches, interdisziplinäre angelegtes Forschungsprojekt mit dem Ziel, die Ursachen und die Entwicklung psychischer Gesundheit besser zu verstehen. Die Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen, genetisch-biologischer Ausstattung, Schwangerschaftsverlauf, psychologischen Faktoren bei Eltern und Grosseltern und der langfristigen Entwicklung (biologisch, sozial, psychologisch) des Kindes bilden dabei die Forschungsschwerpunkte. sesam will so zu einem besseren Verständnis der menschlichen Entwicklung und seelischen Gesundheit beitragen. Um dieses Ziel zu erreichen, baute der NFS sesam ein interdisziplinäres Netz von Wissenschaftlern aus verschiedenen Disziplinen auf. Der Gesamtforschungsentwurf umfasst eine Kernstudie mit mehreren unabhängigen einzelnen Teilstudien. Die sesam Kernstudie hatte zum Ziel, 3000 Kinder unter Einbezug ebenfalls der Eltern und Grosseltern bis ins Erwachsenenalter periodisch zu untersuchen. Speziell sollte hier erforscht werden, welche familiären, psychologischen und biologischen Faktoren auf Seiten der Eltern und Grosseltern, aber auch auf Seiten des ungeborenen Kindes, alleine oder in gegenseitiger Interaktion einen schützenden (protektiven) oder aber einen negativen Effekt auf die Entwicklung des Kindes ausüben. Wegen mangelnder Teilnahme von werdenden Müttern konnte die Kernstudie des Projekts jedoch nicht wie vorgesehen durchgeführt werden. Die Projektleitung beantragte daher im März 2008 beim SNF die Einstellung der Kernstudie. Gestützt auf einen Antrag des SNF vom 10. Dezember 2008 genehmigte das Eidgenössischen Department des Inneren (EDI) mit Beschluss vom 19. Januar 2009 den formellen Abbruch des NFS sesam. Für den ordentlichen Abschluss wurde eine einjährige Auslaufphase bewilligt Der NFS sesam wird somit zum 30. September 2010 beendet werden. Der SNF wird die Ursachen und Folgen des Abbruchs des NFS aufarbeiten und hat hierfür eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Ein Abschlussbericht der Arbeitsgruppe ist für Mitte 2009 vorgesehen.
Die acht Teilstudien, welche unabhängig von der Kernstudie konzipiert wurden, sowie die im Rahmen der Kernstudie initiierten Vorstudien werden auch nach Abbruch der Kernstudie bis September 2010 weiter durchgeführt. Es kann damit gerechnet werden, dass ein Grossteil dieser Studien bis zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen sein werden. Erste wissenschaftliche Ergebnisse wurden bereits publiziert bzw. befinden sich in der Publikationsphase. Trotz Abbruch des NFS werden die eingesetzten Förderungsmittel des SNF somit wertvolle wissenschaftliche Ergebnisse hervorbringen. Auch das speziell für sesam konzipierte Nachwuchskonzept wird bis Ende September 2010 mit all seinen Komponenten (Summer School, Forschungskolloquium etc.) umgesetzt, um somit dem wissenschaftlichen Nachwuchs eine bestmögliche Qualifizierung zu ermöglichen. 29 der insgesamt 33 Doktorierenden, welche im Rahmen des NFS ihre Dissertation erstellen, werden bis Ende der Auslaufphase ihre Promotion abgeschlossen haben. Auch die im Rahmen von sesam angebotene Masterausbildung wird bis September 2010 aufrechterhalten werden. Insgesamt werden dann ca. 40 Masterstudierende ihre Ausbildung in sesam abgeschlossen haben. Der NFS sesam hat somit für die Ausbildung des akademischen Nachwuchses einen wesentlichen Beitrag geleistet.
Das Projekt hat zudem eine Vielzahl indirekter Beiträge für die Forschung geliefert. So wurden am Beispiel des NFS etwa eine Reihe rechtlicher und ethischer Fragen auf nationaler Ebene thematisiert, die auch für künftige Forschungsvorhaben im Humanbereich, welche psycho-soziale und biologisch-genetische Aspekte mit einbeziehen, von Nutzen sein werden. Insbesondere stellte sich heraus, dass aufgrund des heutigen Rechts bei der Ethikbeurteilung vergleichbarer Vorhaben weiterhin mit Unklarheiten zu rechnen ist, sollten hier nicht Lösungen auf nationaler Ebene gefunden werden. Die Problematik „fremdnützige/eigennützige“ Forschung wurde zudem am Beispiel des NFS sesam intensiv diskutiert und hat damit mit Blick auf das Humanforschungsgesetz eine wichtige und notwendige Diskussion befördert. Im Rahmen von sesam wurde ebenfalls in der Birmannsgasse 8 eine Infrastruktur geschaffen, die von der Fakultät für Psychologie und der Universität Basel für biobehaviorale Forschung auf höchstem wissenschaftlichen, sicherheitsrechtlichen und technischen Niveau gezielt weiter genutzt werden kann.
